Zieleinlauf mit Paella und Meer

Der Costa Brava Stage Run 2021 – Ein Bericht aus der Sicht der Reiseleitung

Es ist 9 Uhr morgens Mitte Oktober. Die Sonne spiegelt sich im Mittelmeer und blendet mich. Es fühlt sich wie eine Erleuchtung an. So viel Licht! Ich höre eine sanfte Brandung und sobald sich meine Augen an diese Helligkeit gewöhnt haben, erkenne ich einen endlosen Sandstrand. Tatsächlich ist es der längste in der Region. Dazu gibt es die passende Promenade mit Straße und angrenzende Gebäude. Es sieht nicht wie ein klassischer Touristenort aus, der um diese Jahreszeit normalerweise wie eine Geisterstadt wirken würde. Die Einwohner hier sind ein fester Bestandteil dieser Szenerie. In der Nebensaison sind kaum Touristen da und alles wirkt beschaulich und entspannt. Das Meer ist immer noch erwärmt vom Sommer. Im Wasser tummeln sich hier und da kleine Gruppen aus ambitionierten Schwimmer*innen mit Bojen, Stand Up Paddler*innen und Badegäste.

Ich stehe am Platja de Sabanell und bekomme Urlaubsgefühle. Es ist der Badestrand der Stadt Blanes mit seinem Meeresfelsen „Sa Palomera“.  Er ist das Tor zur „Costa Brava“ und trennt den Platja Sabanell von der kleinen urbanen Badebucht Platja de Blanes, mein eigentliches Ziel. Denn ich bin zum Arbeiten hier und „checke die Location“. Die Costa Brava ist der nordöstlichste Streifen der spanischen Mittelmeerküste und gehört zur Region Katalonien. Blanes ist die Heimatstadt zwei junger Männer, die zwei außergewöhnliche Etappenwettkämpfe auf dem spanischen Festland ins Leben gerufen haben. Jordi Vissi und Tomas Llorens sind leidenschaftliche Sport-, Berg- und vor allem Laufsportbegeisterte. Inspiriert durch Ihre lokale und langjährige Laufgemeinschaft Fondistes Blanes, die seit mehr als 30 Jahren gemeinsam auf der ganzen Welt läuft, gibt es seit 2016 den Pyrenees Stage Run. Ein 7 Etappen Trailrunning Wettkampf im Gebirgsmassiv zwischen der iberischen Halbinsel und Europa, den Pyrenäen. Kurz darauf folgte die Idee zum Costa Brava Stage Run. Entlang der „wilden Küste“ in 3 Etappen auf und ab mit wunderschönen Ausblicken ist es die Mission der Veranstalter, die Schönheit und Vielfalt sowie die Leidenschaft für das Trailrunning in dieser Region den Teilnehmern näherzubringen.

Jordi Vissi & Tomás Llorens

Die Begeisterung dieser zwei sympathischen Trailrunner ist ansteckend. So entschloss sich SOMMERKIND Sportreisen, beide Etappenwettkämpfe mit ins Programm zu nehmen. Leider erschwerte uns die letzten 20 Monate COVID-19 die Zusammenarbeit. Mit viel Terminverschieberei und Enthusiasmus schafften wir es doch noch, dass nun eine sehr kleine SOMMERKIND Sportreisen Gruppe den Costa Brava Stage Run kennenlernen kann.

BARCELONA

Das Frühstück ist super und die bunte Deko des Cafés macht noch mehr gute Laune. Leute beobachten und bei einem zweiten Kaffee sich die Mittagssonne ins Gesicht scheinen lassen… achso ja, – ähhh, neee, ich bin ja zum Arbeiten hier. Also geht es weiter nach Barcelona. Mit ca. 1 Stunde Fahrt erreiche ich diese beeindruckende Mittelmeer-Metropole mit knapp 1,6 Mio. Einwohnern. Der Verkehr ist gut geregelt und das Hotel ist schnell zu finden. Ein paar Kleinigkeiten möchte ich noch vorbereiten, bevor die Gäste am Flughafen in Barcelona eintreffen. Ich mache mich auf den Weg, um die Stadt zu Fuß kennenzulernen. Die für mich beste Methode eine gute räumliche Orientierung zu bekommen. Die imposante Sagrada Familia mit ihren 18 Türmen als religiöses und kunsthistorisches Wahrzeichen der Stadt ist keine 3 Minuten in Sichtweite vom Hotel entfernt. Eine Basilika wie diese habe ich noch nie gesehen. Von außen schon sehr beeindruckend. Leider bleibt keine Zeit für eine Besichtigung von innen. Es gibt ja noch den Parc Güell und seinen tollen Ausblick auf die Stadt. Nicht zu vergessen das gotische Viertel und den Platja de la Barceloneta, der Stadtstrand von Barcelona nahe dem olympischen Dorf.

Der absolute Geheimtipp für eine Panorama Aussicht auf Barcelona und die Region

Nach 17 km und 400 hm habe ich einen guten ersten Eindruck von der Stadt bekommen. Die Atmosphäre wirkt durch die ausbleibenden internationalen Touristen aus Asien oder Amerika nicht überlaufen. Am Stadtstrand scheint Beachvolleyball die beliebteste Sportart zu sein. In den kleinen Gassen des gotischen Viertels kann man sich herrlich treiben lassen. Es gibt endlose Möglichkeiten, irgendetwas zu konsumieren. Essen, Souvenirs, Schuhe, Kleidung, Schnick Schnack. So richtig verrückt wird es dann auf den Ramblas. Die offizielle Einkaufsstraße Barcelonas. Zwischen den großen viel befahrenen Alleen gibt es die kleinen ruhigen Straßen, Gassen und Plätze. Für Fahrradfahrer ist in vielen Straßen eine separate Spur ausgewiesen. Eine lebendige Stadt mit viel Kultur, grünen Ruhezonen und die Lage direkt am Meer ist natürlich unschlagbar. Hügelige Landschaft im Hinterland und Naturparks prägen die Vororte von Barcelona. Von meinem speziellen Aussichtspunkt, ein kleiner Geheimtipp, den ich im Internet aufgeschnappt habe, ist das volle Panorama der Region zu sehen. Spätestens dort überzeugt mich Barcelona als optimale Outdoorstadt und Nebensaisons Urlaubsziel. Aber genug von der Großstadt. Die eigentliche Mission ist ja der Costa Brava Stage Run. Für die Gäste gibt es nach der Ankunft einen gemütlichen Spaziergang durch die Stadt mit anschließender kleinen Fahrradtour und katalanischen Tapas am Abend, bevor es am nächsten Tag zum Wettkampf weitergeht.

BLANES -> TOSSA DE MAR | Etappe 1

Blanes empfängt uns am nächsten Morgen wieder mit strahlendem Sonnenschein und einer sehr freundlichen Veranstaltercrew bei der Registrierung. Es sind alles freiwillige Helfer aus dem Freundes- und Familienkreis von Jordi und Tomàs. Die Kulisse und die Stimmung sind wirklich mitreißend. Alle freuen sich, dass der Lauf dieses Jahr nun doch noch stattfindet. Tomás und Jordi sind natürlich ebenfalls vor Ort. Tomás ist der Streckenchef und Jordi hält als Speaker und Verantwortlicher im Start-/Zielbereich alle bei Laune. Es ist alles perfekt organisiert. Dropbags für den Zieleinlauf, Gepäcktransport, Verpflegungsstellen, Streckenposten, medizinische Versorgung, Hygienekonzept… Am liebsten würde ich selbst mitlaufen.

Es gibt zwei Distanzen zur Auswahl. 125 km in 3 Etappen oder 85 km in 3 Etappen. Für die erste Etappe ist die Distanz von 22 km und knapp 1000 hm für alle gleich. Das Starterfeld ist in Anbetracht der aktuellen Lage mit 100 Teilnehmern nicht groß. Es sind aber nicht nur lokale Läufer dabei. Läufer*innen aus Holland, Dänemark, Norwegen, Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich, Polen… uvm. sind mit von der Partie. Einige davon nicht zum ersten Mal.

Um Punkt 12 Uhr fällt der Startschuss. In Blanes geht es mit Polizeibegleitung bis zu den botanischen Gärten, anschließend folgt die Strecke entlang der wilden Küste Richtung Tossa de Mar. Das Ziel der ersten Etappe. Zwei Verpflegungspunkte versorgen das Starterfeld unterwegs. Wer jetzt denkt, dass man auf gut gepflegten Wegen ein bißchen den Strand entlang läuft, hat sich arg getäuscht. Singletrails rauf und wieder runter. Schmal und wild. Über Sandstrände, verwunschene Treppen und Steilküsten. Es geht immer wieder runter ans Meer, aber auch wieder aufwärts, um über oder durch die Felsen zu kommen. Unterwegs feuern die Streckenposten und Groupies der Läufer*innen das Teilnehmerfeld an. Hier und da steht auch Tomás und lächelt verschmitzt, wenn die Läufer*innen leise fluchend an ihm vorbeilaufen. Doch die Teilnehmer*innen werden belohnt durch die immer wieder spektakulären Ausblicke auf das Meer mit den wilden Klippen und den Strecken durch einsame Waldabschnitte.

Auch das Wetter spielt mit. Der Wind sorgt unterwegs für die ersehnte Abkühlung im prallen Sonnenschein. In Tossa de Mar laufe ich den Teilnehmer*innen ein wenig entgegen. Der Zieleinlauf über die Cala Codolar und durch die historische Schlossbefestigung der Vila Vella ist der perfekte malerische Abschluss der 1. Etappe am Strand von Tossa de Mar. Ein gebührender Empfang für alle Läufer mit Zielbogen, Musik, Speaker und Zielverpflegung. Der erste Mann der 125 km Distanz läuft nach 2:16 h ins Ziel und die erste Frau nach 2:50 h. Für die 85 km Distanz ist der erste Mann nach 2:34 h im Ziel und die erste Frau nach 2:39 h.

Auch die SOMMERKIND-Gäste kommen ins Ziel. Begeistert von der 1. Etappe und gestärkt von der Zielverpflegung geht es ins Hotel, wo das Gepäck und die wohlverdiente Massage schon warten. Das Hotel für alle Teilnehmer liegt keine 10 Minuten zu Fuß vom Zielbereich entfernt und bietet als 4 Sterne Hotel jeglichen nötigen Komfort. Durch das „kleine Teilnehmerfeld“ kann der Veranstalter das Abendprogramm im Hotel abhalten. In der Lobby-Bar wird eine Bühne aufgebaut und die Sieger der 1. Etappe geehrt. Kurzweilig und humorvoll gestaltet Tomás das Briefing für die 2. Etappe, sodass das Warten auf das Abendessen einem nicht ganz so lange vorkommt. Das Buffet im Zuge der Halbpension der Übernachtung bietet eine große Auswahl. Für jede*n ist etwas dabei. Alle fallen frühzeitig müde und zufrieden ins Bett, denn Frühstück gibt es bereits ab 06:00 Uhr.

PALAMOS -> L’ESCALA 125 | AIGUABLAVA BEGUR -> L’ESCALA 85 | Etappe 2

In kleine Augen blicke ich am nächsten Morgen um kurz vor 06:00 Uhr, als die Koffer verladen werden. Meine Augen sind aber auch nicht wirklich größer. Das Frühstück ist knapp angesetzt, denn der Start ist schon um 08:00 Uhr und der Transfer zum Start dauert eine gute Stunde. Es klappt aber alles einwandfrei und das Schöne ist, man steht nicht ewig im Startbereich herum.

Die Läufer*innen der langen Distanz starten heute am Playa El Castell bei Palamos. Die SOMMERKIND-Gruppe ist zusammen mit ein paar „Groupies“ und dem Fotografen im Dunkeln als erster vor Ort. Verunsicherung kommt auf, ob das hier auch der richtige Ort ist, da es nichts gibt außer Sand und Strand gibt. Gleich darauf hört man aber die restlichen Teilnehmer*innen kommen und im Nu haben Jordi, Tomás und ihre Helfer den Startbogen aufgebaut. Der Startschuss fällt und die Läufer*innen entschwinden in die goldene Stunde. Es ist ein magischer Moment. Der einsame Strand und das super Wetter verleiten mich dazu, jetzt ein paar Stunden hier abzuhängen.

Da ist aber auch noch der Start der kurzen Distanz, den ich mir nicht entgehen lassen möchte. Dieser liegt in der Bucht von Aiguablava, wo auch die 2. Verpflegungsstelle der langen Distanz aufgebaut ist. Während sich also knapp 30 Läufer*innen die Steilküsten und Buchten entlangkämpfen, fahre ich gute 45 Minuten und entdecke die malerische Gegend „Muntanyes de Begur“. Ein kleines Gebirgsmassiv zwischen Llafranc und Begur. Es besteht aus Kalkstein, Granit und Sand. Auffällig ist der riesige Pinienwald, der sich komplett durch die Region zieht. Auch der Start der 85 km Distanz ist in einer kleinen unscheinbaren Bucht. Es soll eine der noch ursprünglichsten Buchten in der Gegend sein. Die Klippen sind nicht zugebaut von Hotels. Es wäre aber auch gar kein Platz dafür. Es gibt 3 Restaurants, eine Tauchschule, in der Nebenbucht ein Hotel und ein paar Wohnhäuser. Der Startbogen ist wieder direkt auf dem Strand aufgebaut und Jordi gibt als DJ und Speaker alles. Ich bin wieder ganz fasziniert von der Kulisse. Das klare Wasser, die Klippen und die Sonne, die das Meer glitzern lässt. Kurz vor dem Startschuss trifft bereits der erste Läufer von der 125 km Distanz ein und das Starterfeld der 85 km Distanz hechtet kurz darauf hinterher die steile Treppe hoch, die direkt am Start zu bewältigen ist. Nach und nach folgen weitere Teilnehmer*innen von der langen Distanz. Ich warte noch auf die SOMMERKIND-Läufer*innen. Das Zeitlimit für die ersten 17 km heute bis VP2 ist zum Trödeln nicht geeignet, doch meine SOMMERKIND-Schäfchen kommen alle durch und ich kann vorerst beruhigt ins Ziel fahren. Insgesamt sind es heute 52 km für die lange Distanz. Für die kurze Distanz sind es knapp 35 km.

Für beide Distanzen gibt es auf der Strecke der 2. Etappe eine Flussdruchquerung. Am Platja de la Gola del Ter mündet der Fluss Ter ins Mittelmeer. Eine kleine Passage steht dort meist unter Wasser. Teilweise mit einem Wasserspiegel über Brusthöhe, je nach Körpergröße, werden Rucksack, Schuhe und sonstiges Hab und Gut von den Teilnehmer*innen auf dem Kopf balanciert. Die andere Hand orientiert sich währenddessen an einem Sicherungsseil, das auf die andere Seite der Mündung führt. Ob die Temperatur eine angenehme Erfrischung ist, empfindet jede*r anders. Im Frühjahr, zur normalen Durchführung der Veranstaltung, wäre das Wasser sicher kälter. Natürlich sorgen die Streckenposten für die nötige Sicherheit und die Fotografen für unterhaltsame Bilder. Für die meisten war es ein riesiger Spaß. Zum Glück trocknet die Sonne schnell die nassen Höschen und der feine Sand wird zumindest gründlich von den Füßen entfernt. Für mehr ist keine Zeit, denn man will ja zügig vorwärtskommen. Ich verpasse dieses einmalige Schauspiel leider, da ich mich bereits im Zielort befinde.

Im Zielort L’Escala bleibt mir noch Zeit für eine kleine Erkundung durch den Ort. Auf den ersten Blick wirkt die Ortschaft wie eine klassische Touristenstadt, aber sie ist in zwei Teile aufgeteilt. Riells mit seiner langen Strandpromenade, Geschäften und Dauervolksfest im Sommer ist der moderne Teil der Stadt. Die kleine Altstadt von L’Escala befindet sich nördlich und ist komplett in eine Fußgängerzone umgebaut worden. Am dortigen kleinen Hafen hat man wieder einen wunderbaren Blick auf das Meer und das Montgrí-Massiv, wo es für die Läufer*innen morgen auf die letzte Etappe geht.

Der Wind wird am Nachmittag wieder intensiver. Wenn man lange steht und wartet, kühlt man schnell aus. Den Läufer*innen macht der Wind aber nichts aus, denn ihnen ist von der Anstrengung ganz warm. Nach 52 km kommt der erste Mann heute nach 6:00 h ins Ziel und die erste Frau nach 7:20 h. Für die 35 km läuft der erste Mann nach 3:58 h und die erste Frau nach 4:17 h ein.

Auch die SOMMERKIND-Gruppe kommt gut durch und freut sich vor allem über die neuen Bekanntschaften von unterwegs. Das Hotel ist zu Fuß wieder sehr gut erreichbar und zur Regeneration gibt es ein Sonnenbad am windgeschützten Pool. Die Sportmassage darf natürlich auch nicht fehlen. Siegerehrung, Bilder des Tages und Briefing finden diesmal nach dem Abendessen im Freien statt. Die große Bühne ist direkt hinter dem Pool aufgebaut. Es ist frisch geworden am Abend. Für die lange Distanz stehen morgen noch mal 47 km an, also geht es schnell ins Bett.

ROSES -> PORTBOU 125 | CADAQUÉS -> PORTBOU 85 | Etappe 3

Wieder ist es noch dunkel, als der Startbogen in Roses am Hafen aufgebaut wird. Um punkt 07:45 Uhr werden die Anwohner von Jordi ordentlich beschallt, bevor es auf die dritte und letzte Etappe des Costa Brava Stage Run geht. Die Stimmung im Starterfeld ist super. Alle freuen sich auf einen wunderbaren Tag draußen, laufend in wunderbarer Umgebung und der Sonnenaufgang ist auch wieder atemberaubend.

Bis zum 2. Verpflegungspunkt und Start der kurzen Distanz in Cadaqués sind es knapp 18 km zu laufen. Die Strecke geht heute größtenteils über die Halbinsel Cap de Creus. Ab Cadaquès führt die Route bis El Port de la Selva durch das Landesinnere, dem Naturpark Cap de Creus. Auf den letzten 15 km können die Läufer*innen wieder die traumhaften Aussichten entlang der Küste genießen, bis nach Portbou dem finalen Zielort des Costa Brava Stage Run.

Aber ich freue mich jetzt erst mal auf das kleine und berühmte Fischerdörfchen Cadaqués. Viele Künstler wie Federico García Lorca, Pablo Picasso, Joan Miró und vor allem Salvador Dalí sind für die Beliebtheit dieses Ortes verantwortlich. Letzterer verbrachte seine Kindheit oft hier und wählte dieses inspirierende Fleckchen zu seinem Heimatort. Alle Häuserfassaden leuchten strahlend weiß in der kleinen Bucht. Umgeben von den kargen Farben der umliegenden Hügel und dem blauen Meer ist es ein magischer Anziehungspunkt. Zur Hochsaison übersteigt die Besucherzahl die Einwohnerzahl oft über das Dreifache. Ich bin einfach nur froh, dass ich die Gelegenheit habe, ein fast menschenleeres Dörfchen vorzufinden. Ich drehe eine kurze Runde in diesem endlosen Weiß. Ein paar Tauschulen richten ihr Material für die Ausfahrt. Die Einheimischen lassen sich Sonntag morgens viel Zeit. In Cadaqués wird die Kultur gelebt. Essen, Musik und Kunst. Alles ist etwas teurer, aber so soll es auch sein, denn für die Region ist diese Lebensart eine gut gepflegte Tradition. Auch der Startbogen ist bereits auf dem Plaça del Passeig mit Blick auf den Naturhafen von Cadaquès aufgebaut. Zwischendurch lärmen immer wieder Mopeds durch die Ortschaft und verpesten die Luft. Es ist ein wohl ein nostalgisches 50 ccm Rennen, die regelmäßig stattfinden und aufgrund der kurvigen Küstenstraßen entlang der Costa Brava sehr beliebt sind.

Kurz vor dem Start füllt sich der kleine Ort langsam. Das Wetter ist perfekt und das Meer spiegelglatt. Was für ein Tag und die Kulisse ist wieder mal kaum zu übertreffen. Die ersten Läufer der langen Distanz passieren den Verpflegungspunkt wieder kurz vor dem Startschuss. Peng! Jetzt sind alle auf der letzten Etappe. Knapp 30 km sind für die Läufer*innen der kurzen Distanz heute markiert. Ich warte, bis die SOMMERKINDER durch sind. Bis dahin klatsche und juble ich, sobald ein Läufer um die Ecke auf die Promenade zum Verpflegungspunkt kommt. Meine Schäfchen sind gut drauf und für den Rest der Strecke sehr zuversichtlich. Ich finde es immer schön, wenn die Gruppe klein ist. So bleibt mir mehr Zeit, die Strecke anzusehen und die Läufer*innen anzufeuern. Jetzt muss ich aber weiter. Bis nach Portbou fährt man eine knappe Stunde mit dem Auto. Die kleine Straße durch die Berge bis El Port de la Selva wird schon mit Touristenbussen, Autos, Rennrädern und Motorradfahren verstopft. Unterwegs hupe ich jede*n gespottete*n Läufer*in an.

PAELLA UND MEER | ZIEL

In Portbou ist das Ziel bereits aufgebaut. Ich finde unser Hotel keine 3 Minuten vom Zielbereich auf der Promenade entfernt und checke die Koffer ein. Von meinem Balkon aus höre ich, wie Jordi die Bucht wieder mit seiner immer gut gelaunten Stimme und Musik beschallt. Die Veranstaltung endet heute offiziell mit dem Rücktransfer der Läufer nach Blanes. Die SOMMERKIND-Gruppe bleibt aber noch eine weitere Nacht in Portbou, um den Tag entspannt ausklingen zu lassen.

Bei einem kleinen Spaziergang durch den Ort stelle ich fest, dass der typische Charme der Ortschaften der letzten Tage fehlt. Durch die Nebensaison wirkt alles verlassen. Die Lage im Talkessel ist für eine intensive Bautätigkeit nicht geeignet, somit ist Portbou mit seinen 1000 Einwohnern sehr ursprünglich. Auch in der Hauptsaison ist die Bucht nie überlaufen. Auf den ersten Blick wird das Örtchen unterschätzt. Der Bahnhof im oberen Teil des Ortes dominiert seit 1872 das Landschaftsbild und wurde zu seiner Zeit sogar als internationaler Bahnhof genutzt. 1929 wurde er mit einem neuen Dach als architektonisches Highlight aus Glas und Beton wieder eröffnet. Die Grenze zu Frankreich verläuft direkt in Sichtweite auf den knapp 1,5 km entfernten Hügeln. Die Geschichte des Ortes ist geprägt vom Grenzhandel mit Frankreich. Aber auch einige Emigranten Schicksale spielten sich hier zwischen 1934 bis 1944 ab. Dem zweifelhaften Freitod des deutschen Schriftstellers Walter Benjamin ist ein Wanderweg und Rundgang durch Portbou, sowie ein Denkmal gewidmet. Heutzutage bringt der Wandertourismus Leben in die Bucht. Der berühmte Fernwanderweg GR92 entlang der Costa Brava startet hier. Dieser ist auch Teil des europäischen Fernwanderwegs E10.

Aus den Lautsprechern wird die Ankunft der ersten Zieleinläufe angesagt. Die ersten Männer beider Distanzen kommen fast gleichzeitig im Ziel an. Einmal nach 5 h und einmal nach 3 h. Auf der kurzen Distanz folgt die erste Frau direkt 8 Minuten später. Die erste Frau der langen Distanz kommt nach 6:21 h ins Ziel. Nach und nach erreichen auch die restlichen Läufer*innen den Zielbogen und jede*r wird gebührend jubelnd und mit viel Lärm empfangen. Die Stimmung ist ausgelassen. In den Gesichtern spiegeln sich die letzten Tage mit viel Zufriedenheit und Freude wider. Nur an der Gangart ist zu erkennen, dass es doch auch einiges an Anstrengung kostete die vielen Kilo- und Höhenmeter zu überwinden. Wer den Transfer zurück nach Blanes gebucht hat, kann im Sportheim des Ortes duschen und bis zur Abfahrt des Shuttles in der Sonne am Strand abhängen oder die weiteren Zieleinläufe mitfeiern. Vor allem beim letzten Zieleinlauf während der Siegerehrung wird noch mal richtig gejubelt.

Das heimliche Highlight des Tages ist aber die im Zielbereich seit Stunden brodelnde Paella für die Läufer*innen. Tomás Onkel feiert seinen 60. Geburtstag und lässt es sich nicht nehmen, für diesen besonderen Tag seine riesige Paellapfanne aufzustellen, um für alle zu kochen. Das schönste Highlight für die SOMMERKIND-Gruppe ist der 3. Platz der heutigen Etappe bei den Frauen in der langen Distanz.

Ein gemeinsames Foto zum Schluss mit allen Helfern und den Veranstaltern auf der Bühne ist die beste Gelegenheit für das Starterfeld, sich mit ausgiebigem Jubeln und Klatschen für dieses tolle Event zu bedanken, bevor die allgemeine Aufbruchsstimmung beginnt. Eine schöne und vor allem wohlverdiente Geste, wie ich finde. Da sich alle irgendwie untereinander zu kennen scheinen, spätestens als Laufbekanntschaft auf der Strecke, fällt die Verabschiedung sehr persönlich aus. Für Tomás und Jordi ist dieses Event vor allem in diesem Jahr eine Herzensangelegenheit. Für uns SOMMERKINDER ist es immer ein Genuss, an Veranstaltungen wie diesen teilhaben zu können, fernab von der Masse. Die Begeisterung und Leidenschaft für diesen Sport ist so noch viel sichtbarer und lebendiger. Trotzdem wünschen wir uns zusammen mit den beiden Veranstaltern, dass die Teilnehmerzahlen für das kommende Jahr wieder zunehmen. Keine Sorge, das Starterfeld bleibt mit maximal. 200 Teilnehmer*innen pro Distanz weiterhin klein, nur viel kleiner sollte es wirklich nicht mehr werden.

Während der Sportmassage auf dem Balkon vom Hotel wird der Zielbereich abgebaut. Dabei läuft die Playlist der letzten Tage weiter über die Lautsprecher des Events. So verabschiedet sich die SOMMERKIND-Gruppe im Geiste von den diesen ereignisreichen Tagen. Wir finden sogar ein kleines Restaurant am Abend, das uns bewirtet und feiern den Abschluss mit Tapas und Rotwein. Der Rücktransfer der Gäste nach Barcelona Flughafen am nächsten Tag dauert ca. 2,5 h. Ich fliege einen Tag später über Girona zurück und lerne auf meinem kleinen Zwischenstopp das kleine Städtchen Sant Feliu de Guíxols kennen… Aber das ist eine andere Geschichte.

Text: Carmel Hild | Bilder: zur Verfügung gestellt von BiFree Sports

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